Natürlich ist es generell möglich, eine Wohnung mittels ALG I oder ALG II zu unterhalten. Allerdings werden dir hier seitens der Ämter mehr Steine in den Weg gelegt. Besonders dann, wenn du noch zu Hause wohnst und noch nicht das 25. Lebensjahr erreicht hast.

Arbeitslosengeld I – Arbeitslos und eigene Wohnung

ALG I ist im Gegensatz zu ALG II (Hartz IV) keine Sozialleistung, sondern vielmehr ein sozialversicherungsrechtlicher Anspruch. Voraussetzung dafür ist, dass du in den letzten 2 Jahren bereits 360 Tage beitragspflichtig gearbeitet hast. Für arbeitssuchende, Beamte oder Freiberufler gilt dies beispielsweise nicht.

Die Höhe des ALG I richtet sich nach folgenden Kriterien:

  • Die Höhe des sozialversicherungspflichtigen Arbeitsendgeldes, welches du zuletzt bis zum Anspruch an ALG I durchschnittlich verdient hast (hier zählen auch Wehr- und Zivildienst)
  • Dauer des zuletzt versicherungspflichtigen Verhältnisses
  • Zutreffende Lohnsteuerklasse und Anzahl Kinder

Eine eigene Wohnung mit ALG I

Solange du ALG I beziehst, kannst du ohne Mitwirkung und Kürzung von Bezügen seitens der Arge in deine eigene kleine Bude ziehen. Sollte dieses nicht ausreichen, kannst du zusätzlich Wohngeld beantragen, ohne dass dadurch dein ALG I beeinflusst wird. Allerdings solltest du dir für den Fall, dass du   später auf ALG II herab gestuft wirst, gleich eine passende Wohnung suchen. Denn entspricht diese nicht dessen Richtlinien, kann dir die Arge Leistungen für Miete und Heizung auf den angemessenen Bedarf kürzen oder streichen. Wird Wohngeld abgelehnt, gibt es zur Not ALG II als Aufstockung. In diesem Fall wären ggf. auch Zuschüsse für eine Erstausstattung drin.

Arbeitslosengeld II

Arbeitslosengeld II ist im Wesentlichen die Zusammenfassung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe. Arbeitslosengeld II ist die Grundsicherung für Arbeitssuchende.
Sozialhilfe erhalten nur jene, die täglich nicht mehr als 3 Stunden einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, z.B. Behinderte Menschen. Die Bedarfssätze sind aber in etwa dieselben.

Grundlagen zum ALG II

An dieser Stelle zunächst ein paar Grundlagen zum Arbeitslosengeld II.

Wer ist Leistungsberechtigt?

Alle Personen, die:

  • das 15. Lebensjahr vollendet haben
  • erwerbsfähig und
  • hilfebedürftig sind

Leistungen erhalten auch Personen, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft leben, etwa ihre Kinder.

Erwerbsfähig ist, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.

Hilfebedürftig bist du, wenn du deinen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus dem zu berücksichtigenden Einkommen oder Vermögen sichern kannst und keine anderen Sozialleistungen erhältst.

Hilfebedürftig kannst du auch sein, wenn dein Erwerbseinkommen zu gering ist und mittels ALG II aufgestockt wird.

Zu einer Bedarfsgemeinschaft zählen:

  • die im Haushalt lebenden Eltern
  • erwerbsfähige Hilfebedürftige
  • Partner (Ehegatten, Partner in eheähnlicher Gemeinschaft)
  • Alleinerziehende von Minderjährigen
  • minderjährige Kinder, die im Haushalt des Betroffenen selbst oder des Partners leben
    • reicht ihr eigenes Einkommen zur Sicherung des persönlichen Lebensunterhalts, zählen sie nicht zur Bedarfsgemeinschaft

Regelbedarf

Die Höhe des ALG II richtet sich nach der Bedürftigkeit des Antragsstellers.

Leistungsberechtigte Personen Regelbedarf
erwachsene alleinstehende Person 382 €
erwachsene alleinerziehende Person 382 €
erwachsene Person mit
minderjährigem Partner
382 €
alleinstehende Personen bis zur Vollendung des 25 Lebensjahrs oder erwachsene Personen bis zur  Vollendung des 25 Lebensjahrs, die ohne Zusicherung des kommunalen Trägers
umgezogen sind
306 €
erwachsene Partner einer Ehe,    Lebenspartnerschaft, oder eheähnlichen Gemeinschaft 344 €
Kind bis zum 5. Lebensjahr 224 €
Kind vom 6. Bis zum 13. Lebensjahr 255 €
Kind vom  15. Bis zum 17. Lebensjahr 289 €

 

Angemessene Mietkosten und Größe

Um niemanden in Bezug auf Leistungen zu bevorteilen, hält sich die Arge an festgelegte Rahmenbedingungen hinsichtlich der angemessenen Mietkosten und der entsprechenden Größe der Wohnung. Da die Mietpreise deutschlandweit stark schwanken, gibt es hierzu keinen Pauschalpreis. Oft ist ein Mietpreis im unteren Bereich der ortsüblichen Mieten angemessen.

Die Größe der Wohnung spielt nicht so eine große Rolle wie die Angemessenheit der Höhe der Miete. So kann es sein, das eine Wohnung größer als angemessen ist, der Mietpreis jedoch im Vergleich zu den örtlichen Durchschnittsmieten in einem akzeptablen Bereich liegt und von der Arge   akzeptiert wird.

Regelwerte für die Größe nach Personenanzahl:

  • eine Person: 45m²
  • zwei Personen: 60m²

Nebenkosten und Heizung

Neben dem Regelbedarf werden nach die tatsächlichen Kosten der Unterkunft und Heizung gezahlt, soweit sie angemessen sind.

Zu den Aufwendungen für die Unterkunft zählen neben der Kaltmiete auch die angemessenen Nebenkosten. Welche Nebenkosten angemessen sind, bemisst sich nach den jeweiligen Verwaltungsvorschriften der Kommune des Leistungsempfängers. Es können daher erhebliche Unterschiede in der Höhe der anerkannten Kosten bestehen. Überwiegend werden die angemessenen Kosten in Verwaltungsrichtlinien der Kommune festgelegt. Heizkosten sind in tatsächlicher Höhe zu übernehmen, soweit sie nicht aufgrund unwirtschaftlichen Verhaltens unangemessen hoch sind. Seit dem 1. Januar 2011 zählen ebenfalls zu den Heizkosten, auch wenn das Warmwasser zentral bereitgestellt wird.

Regelungen für eine eigene Wohnung

Du bist unter 25

Für ALG II Empfänger, die das 25. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, steht
prinzipiell kein Anspruch auf Kostenübernahme für eine eigene Wohnung zu.

Hierfür gibt es allerdings auch Ausnahmen:

  • schwerwiegende soziale Gründe, die meist mit schwerwiegenden Problemen innerhalb der Familie zu tun haben
  • Umzug bzw. Auszug aus beruflichen Gründen

Ein Rausschmiss aus dem Elternhaus, ob in guter oder böser Absicht, wäre solch ein gravierender Grund, solange du bereits 18 bist. Auch wenn dir in diesem Fall die
vollen Bezüge zustehen, wird vorher je nach beruflicher Situation die Unterhaltsfähigkeit deiner Eltern überprüft. Verdienen sie zu viel, müssten sie dich weiter unterhalten, dir würde aber ggf. die Erstausstattung zustehen.

Kaum Bezüge, wenn du ohne einen Grund ausziehst!

Unter 25-Jährige, die ohne Zusicherung des Leistungsträgers ausziehen, erhalten nur 80 % des Regelbedarfs und haben in der Regel keinen Anspruch auf Übernahme der Kosten für Miete und Heizung. Die Erstausstattung entfällt hier ebenfalls. Somit wird es quasi unmöglich, eine Wohnung zu bezahlen.

Du bist über 25

Spätestens mit dem Erreichen des 25. Lebensjahres hast du ein Recht auf eine eigene Wohnung, da spätestens zu diesem Zeitpunkt die Unterhaltspflicht der Eltern erlischt und du nichtmehr zur ursprünglichen Bedarfsgemeinschaft zählst. Hier gelten die
selbigen Rahmenbedingungen und Bedarfssätze.

Was wird monatlich gezahlt?

Regelbedarf (siehe Tabelle) + Kaltmiete + Nebenkosten (auch Heizung)

 

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Arbeitslosengeld © Marco2811